Erster gegen Letzter. Eigentlich müsste das eine klare Angelegenheit sein. Aber der FC Bayern tat sich im Bundesligaspiel gegen den 1.FC Heidenheim zwischen den beiden PSG-Spielen mit einer B-Elf extrem schwer, lag zweimal hinten und konnte erst tief in der Nachspielzeit gerade so ein 3:3-Unentschieden retten.
Beim FC Bayern fehlten Serge Gnabry, Lennart Karl und Raphael Guerreiro (alle verletzt). Tom Bischof war nach Verletzung wieder im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Es wurde erwartungsgemäß wieder viel rum rotiert. So saßen u.a. Manuel Neuer, Dayot Upamecano (kam nicht zum Einsatz), Joshua Kimmich, Luis Diaz, Michael Olise und Harry Kane nur auf der Bank. Neuer wurde im Tor durch Jonas Urbig vertreten. Minjae Kim und Hiroki Ito spielten in der Defensive. Nachwuchsspieler Ndiaye spielte neben Leon Goretzka im Mittelfeld. Und hinter Kane-Vertreter Nicolas Jackson spielten Alexandar Pavlovic, Jamal Musiala und Konrad Laimer. Eine merkwürdige Formation und das merkte man auch im Spiel, besonders in der ersten Halbzeit.
Der FC Bayern kontrollierte zunächst die Partie ohne aber zu großen Chancen zu kommen. Leon Goretzka und Hiroki Ito hatten Abschlüsse für den FC Bayern. Mit der ersten richtigen gefährlichen Aktion gingen dann plötzlich die Heidenheimer durch Zivzivadze in Führung. Wenig später hatten die Heidenheimer, die frecher wurden, durch Dinkci die nächste Gelegenheit. Aber wieder nur ein paar Minuten später war es dann passiert. Dinkci traf für Heidenheim, die Bayern-Abwehr pennte mal wieder. 0:2. Unglaublich. Kurz vor der Pause dann wenigstens noch der Anschlusstreffer für den FC Bayern durch Leon Goretzka. Jamal Musiala, der ansonsten blass blieb, hatte dann noch eine Möglichkeit. Mit einem blamablen 1:2 ging es in die Halbzeit.
Zur zweiten Halbzeit kamen dann beim FC Bayern direkt Joshua Kimmich, Luis Diaz, Michael Olise und Harry Kane in die Partie. Ein Zeichen, dass Trainer Kompany mit der ersten Halbzeit sicher nicht zufrieden war. Weil die zweite Reihe murks spielte musste dann doch der Topsturm noch ran. Es war dann auch sofort mehr Zug im Spiel des FC Bayern. Nicolas Jackson und Minjae Kim vergaben zunächst noch Möglichkeiten zum Ausgleich. Doch dann war es erneut Leon Goretzka, der traf und den Doppelpack schnürte. 2:2. Der FC Bayern war jetzt am Drücker. Erst vergab Michael Olise, dann traf Joshua Kimmich nur den Pfosten des Heidenheimer Tores. Doch plötzlich hatte Heidenheim, bis dahin offensiv seit dem Wechsel kaum präsent, durch Dinkci eine dicke Gelegenheit zur erneuten Führung. Dann wieder der FC Bayern, aber Luis Diaz vergab. Stattdessen traf kurz darauf erneut Zivzivadze für Heidenheim. 2:3. Wieder Rückstand. Unfassbar. Und das gegen den Tabellenletzten. Der FC Bayern drückte in der Folge auf den erneuten Ausgleich. Leon Goretzka mit einen guten Abschluss. Michael Olise traf nur den Pfosten. Nicolas Jackson vergab die nächste Bayern-Chance. Heidenheim stand nur noch hinten drin. Wegen einer langen Verletzungsunterbrechung gab es eine dementsprechende Nachspielzeit. Und tatsächlich. Tief in der Nachspielzeit gelang dem FC Bayern dann doch noch der insgesamt sicher verdiente Ausgleich. Ein Schuss von Michael Olise ging an den Pfosten, von dort prallte er an den Rücken von Heidenheim-Keeper Ramaj und vom Rücken kullerte der Ball über die Linie ins Tor. Sicher ein glücklicher Treffer. Dann war Schluss. Es blieb beim 3:3.
Aufgrund des späten Zeitpunktes und wie das Tor zustande kam sicher ein glückliches Remis für den FC Bayern, aber wegen der vielen Möglichkeiten in der zweiten Halbzeit natürlich verdient. Dennoch ist es schon blamabel, dass man am Ende gegen den Tabellenletzten mit einem Unentschieden zufrieden sein muss. Dass was die zweite Reihe in der ersten Halbzeit ablieferte geht gar nicht. Kompany sollte es mit dem Rotieren nicht übertreiben, da läuft dann nämlich nicht viel zusammen. Erschreckend ist auch, dass, wenn ein paar Stammkräfte draußen sind, man selbst gegen den Tabellenletzten Probleme bekommt. Da sollte zur neuen Saison nachgebessert werden. Im Idealfall sollte jede Position doppelt und gleichwertig besetzt sein.
Auffällig ist zudem, und das kann nicht mehr bestritten werden, dass der FC Bayern mittlerweile ein großes Defensivproblem hat. Drei Gegentore gegen Real Madrid, zwei gegen den VfB Stuttgart, Drei in Mainz, fünf in Paris und drei gegen Heidenheim. Das macht 16 Gegentore in den letzten sechs Spielen. Das ist deutlich zu viel. Mit so einer Defensive kann einem vor dem Rückspiel gegen PSG Angst und Bange werden. An der Defensive muss gearbeitet werden. Alleine sechs Gegentore in zwei Spielen gegen Gegner wie Mainz und Heidenheim geht gar nicht. Auch wenn man schon als Deutscher Meister fest steht so, gerade defensiv, darf man sich als FC Bayern nicht präsentieren. Aber wenn ständig rotiert wird, auch defensiv, dann kann natürlich Stabilität und Abstimmung verloren gehen und die Folge sind zu viele Gegentore.
Am kommenden Mittwoch steht dann das Rückspiel im Halbfinale der Champions League zu Hause in der Allianz Arena gegen Paris St. Germain an. Der FC Bayern muss die 4:5-Niederlage aus dem Hinspiel drehen. Der FC Bayern muss mit zwei Toren Differenz gewinnen, wenn er ins Finale der Champions League einziehen will. Wie das bei dieser Abwehr gelingen soll ist ein Rätsel. Der FC Bayern braucht einen Sahnetag, PSG muss einen schlechten Tag haben und der FC Bayern braucht jede Menge Glück. Es wird auf jeden Fall eine extrem schwierige Aufgabe für den FC Bayern. Man hätte gegen Heidenheim, wenn man von Anfang an mit der best möglichen Elf gespielt hätte, klar gewinnen können, sich warm schießen können und sich Selbstvertrauen holen können. Dafür ist das 3:3 aber zu wenig. Stattdessen hat Heidenheim unsere Defensivprobleme deutlich aufgezeigt. Rotieren ist ja schön und gut, man kann auf drei, vier Positionen mal wechseln. Aber solche extremen Rotationen sind eher kontraproduktiv. Verletzen kann man sich auch im Training (siehe bei Serge Gnabry) und sogar eher als im Spiel.
Die Frauen des FC Bayern haben bereits das Finale in der Champions League verpasst. Mit 2:4 verloren die Bayern-Frauen das Halbfinal-Rückspiel beim FC Barcelona. Nach dem 1:1 im Hinspiel reichte das natürlich für den FC Bayern nicht. Ob es die Männer des FC Bayern besser machen? Sehr fraglich.
